Schnee und WG-Leben en France

Mein Praktikum in der Zentrale einer französischen Hotelkette in Chambéry, nahe den Alpen, begann chaotisch. Drei Monate wollte ich in unserem schönen Nachbarland verbringen, wo die Leute zum Frühstück Baguette und Ziegenkäse essen und angeblich wissen, wie man gut lebt.

An meinem ersten Tag wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt und hätte den nächsten Zug zurück nach Deutschland genommen: es goss in Strömen. Dann wurde ich von zwei Mädchen vom Bahnhof abgeholt, die super schnell Französisch sprachen. Ich verstand kein Wort! Und danach entpuppte sich das „Hotel“, in dem ich die nächsten Monate wohnen sollte, als internationale 15er WG. Vielleicht ist das Gebäude mal in den 1950er Jahren modern gewesen. Jedenfalls bröckelte der Putz von den Wänden, die Wasserhähne tropften, die Klospülung funktionierte nur manchmal und die Fenster waren undicht. Mein etwa 12 Quadratmeterzimmer mit Minischrank teilte ich mit einer Spanierin. Und reihum war jeder mit Kochen und Putzen für 15 Leute dran. Ich fühlte mich wie im Mittelalter, wie ein Backpackwanderer in der dritten Welt, aber nicht wie in Frankreich.

Eingewöhnungsphase

Warum ich doch blieb: Zunächst wollte ich nicht einfach so aufgeben, schließlich habe ich alles organisiert und bezahlt. Und dann stellte sich meine spanische Zimmergenossin als ein Glücksgriff heraus. Sie war super sympathisch und vielleicht der einzige Mensch auf der Welt, mit dem ich in einem Zimmer leben kann. Auch die anderen WG-Bewohner waren sehr nett. Franzosen, Engländer, Deutsche, Tunesier, eine Spanierin, eine Mexikanerin und eine Chinesin: und trotzdem sprachen wir alle Französisch miteinander.

Die Arbeit

Ich absolvierte mein Praktikum im Bereich Marketing/Kommunikation. Die Arbeit war aber nicht wirklich aufregend. Eigentlich war ich eher Sekretärin und kopierte, druckte, sortierte und ordnete. Ich informierte die Touristik-Büros über die Auslastung der Hotels und erstellte Hinweisschilder, Informationsmaterial sowie Menu- und Weinkarten am Computer mit Publisher und verschickte diese dann. Dafür waren meine Kollegen sehr nett, nahmen Rücksicht auf mein Französisch und ich lernte so wichtige Dinge wie Drucker, Gummiband, Briefumschlag etc. auf Französisch.

Freizeit

Dafür hatte ich sehr viel Spaß in der Freizeit. Wir waren eine nette Gruppe und gingen zusammen ins Kino, guckten DVDs oder besuchten abends auch mal eine Kneipe. Ansonsten genossen wir die Eurogroup-Extras für alle Mitarbeiter: Wir durften kurzfristig für 7 Euro pro Nacht in den Hotels von Eurogroup übernachten, wenn sie frei waren. Dies wurde natürlich gerne ausgenutzt. So war ich zum Beispiel ein Wochenende mit anderen Praktikanten in Valloire, an der italienischen Grenze, um auf fast 2000 Metern Höhe im Schnee spazieren zu gehen. In La Tania, „Les trois vallées“, dem größten Skigebiet der Welt, habe ich mich danach zum ersten Mal auf Skier gewagt. Für den Anfang war es gar nicht so schlecht. Jedenfalls bin ich nur ein paar Mal hingefallen und ich habe mir nichts gebrochen. Zwischendurch war ich mit meiner spanischen Zimmergenossin in Lyon shoppen und dann ein Wochenende in Paris. Ich kann mich also insgesamt nicht beklagen und bin froh, dass ich nicht sofort abgereist bin.

Von Julia Rippe